IFNA und WCNA 2026: Internationale Perspektiven und Herausforderungen der Anästhesiepflege
4. September 2026
Anästhesie Journal Nr. 3 September 2026
Brisbane, Australien, 5.–9. Mai 2026
Vom 5. bis 9. Mai 2026 hatte der Autor die Ehre, die Schweiz im Namen der SIGA-FSIA in Brisbane, Australien, anlässlich der Sitzungen der Country National Representatives (CNR) der International Federation of Nurse Anesthetists (IFNA) sowie des 15. World Congress of Nurse Anaesthetists (WCNA 2026) zu vertreten.
Diese Erfahrung stellte eine wichtige Gelegenheit zur beruflichen Weiterbildung, zur institutionellen Vertretung und zum internationalen Austausch dar. Am Kongress nahmen rund 550 Personen aus 43 Ländern teil.
Autor: Matteo Gianinazzi, IFNA-Delegierter der SIGA-FSIA
Einleitung
Vom 5. bis 9. Mai 2026 hatte ich die Ehre, die Schweiz im Namen der SIGA-FSIA in Brisbane, Australien, anlässlich der Sitzungen der Country National Representatives (CNR) der International Federation of Nurse Anesthetists (IFNA) sowie des 15. World Congress of Nurse Anaesthetists (WCNA 2026) zu vertreten.
Diese Erfahrung stellte eine wichtige Gelegenheit zur beruflichen Weiterbildung, zur institutionellen Vertretung und zum internationalen Austausch dar. Am Kongress nahmen rund 550 Personen aus 43 Ländern teil.
Aktivitäten vor dem eigentlichen Kongress der IFNA
Der 5. und 6. Mai waren den Sitzungen der CNR gewidmet. Dabei wurden die Berichte der verschiedenen Kommissionen vorgestellt, laufende Projekte analysiert und die zukünftigen Perspektiven der Föderation diskutiert. Der Austausch mit 23 Delegierten aus verschiedenen Kontinenten ermöglichte es, die beruflichen Herausforderungen in den unterschiedlichen Gesundheitssystemen besser zu verstehen.
IFNA-Wahlen 2026–2028
Während des Vorkongresses fand die Erneuerung der Leitungsfunktionen statt. Gewählt wurden Hui-Ju Yang aus Taiwan als Präsidentin, Kristian Civka aus Kroatien als Erster Vizepräsident, Mary Mungai aus Kenia als Zweite Vizepräsidentin und Zorica Kardos aus Slowenien als Kassierin.
Ebenfalls gewählt wurden die Vertreter:innen des Exekutivkomitees: Manda Dunne aus dem Vereinigten Königreich, Nico Decock aus Frankreich, Outi Huhtala aus Finnland, Toni Ballesteros aus Spanien, Vera Meeusen aus Australien und Mohamed Mouhajir aus Marokko.
Die Wahlen bestätigten den Willen, eine ausgewogene internationale Vertretung zu gewährleisten.
Die Auszeichnung für Pascal Rod
Besonders bewegend war die Verleihung des IFNA Service Award an Pascal Rod, eine bedeutende Persönlichkeit der Föderation. Die Auszeichnung würdigte sein über 37-jähriges Engagement für die internationale Entwicklung des Berufsstandes.
Internationale Zusammenarbeit
Während der Sitzungen wurden die Fortschritte in der Zusammenarbeit mit dem ICN, der WFSA, der G4 Alliance, dem WHO Acute Care Action Network und UN SURGhub vorgestellt.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Entwicklung erweiterter pflegerischer Kompetenzen sowie Projekten im Zusammenhang mit Advanced Practice Nurses.
Die globalen Herausforderungen des Berufs
Einer der interessantesten Aspekte, die während der Treffen zwischen den Delegierten deutlich wurden, betrifft die Schwierigkeit, in vielen Ländern eine vollständige Anerkennung der beruflichen Autonomie von Anästhesiepflegefachpersonen zu erreichen.
In zahlreichen Kontexten bleibt die Zusammenarbeit mit der ärztlichen Anästhesie weiterhin ein zentrales Diskussionsthema.
Papua-Neuguinea
Zu den bedeutendsten Begegnungen gehörte der Austausch mit den Kolleg:innen aus Papua-Neuguinea. Dort gewährleisten rund 55 Anästhesiepflegefachpersonen die anästhesiologische Versorgung einer Bevölkerung von über 14 Millionen Menschen.
Diese Zahl verdeutlicht die enormen Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung auf globaler Ebene.
Arbeitsbedingungen
Weltweit besteht ein Mangel an Pflegefachpersonen, sowohl in der allgemeinen Pflege als auch im Bereich der Anästhesiepflege. Besonders in Ländern mit niedrigem Einkommen übernehmen Anästhesiepflegefachpersonen in Abwesenheit ärztlicher Anästhesist:innen häufig die vollständige Verantwortung für die anästhesiologische Tätigkeit.
In diesen Kontexten umfasst ihre Rolle die präoperative Beurteilung, das intraoperative Monitoring, die Durchführung der Anästhesie einschliesslich lokoregionaler Techniken sowie die postoperative Beurteilung.
World Congress of Nurse Anaesthetists 2026
Vom 7. bis 9. Mai fand der 15. World Congress of Nurse Anaesthetists unter dem Motto «Innovating Anaesthesia Together» statt.
Die traditionelle Parade of Nations und die Anwesenheit von Delegationen aus über 40 Ländern unterstrichen die internationale Dimension der Veranstaltung.
Wissenschaftliche Themen von besonderem Interesse
Zu den Sitzungen, die mich besonders interessierten, gehörten jene zu pharmakologischen Neuerungen, darunter Propofluor als Antagonist von Propofol und Ciprofol als neues Hypnotikum. Weitere interessante Themen waren die Kinderanästhesie, die Betreuung geriatrischer Patient:innen, die Patientensicherheit sowie die technologische Innovation.
Sehr geschätzt wurden auch die Postersessions mit rund hundert Beiträgen, die den direkten Austausch mit Kolleg:innen und Forschenden ermöglichten.
Persönliche Teilnahme
Ich hatte die Gelegenheit, aktiv zum Kongress beizutragen, indem ich als Chairperson eine Sitzung mit verschiedenen wissenschaftlichen Präsentationen leitete. Unser Kollege Florian Müller, Fachleiter Pflege APN, Abteilung Anästhesie am Universitätsspital Basel, präsentierte den Beitrag «Utilizing the Critical Ally and Critical Friend Framework in Anesthesia Nursing to Facilitate Person-Centered Practice».
Auch Sonja Heine, Leiterin Pflege Anästhesiologie am Universitätsspital Basel, war anwesend.
Persönliche Reflexionen
Was mich am meisten beeindruckt hat, war die herzliche, offene und kooperative Atmosphäre, die die gesamte Veranstaltung prägte. Der Austausch mit Kolleg:innen aus sehr unterschiedlichen beruflichen Kontexten und Gesundheitssystemen hat mein Bewusstsein für die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit für die Entwicklung unseres Berufsstandes gestärkt.
Schlussfolgerungen
Die Teilnahme an den IFNA-Aktivitäten und am WCNA 2026 stellte eine wichtige Gelegenheit zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung dar. Ich kehre mit neuem Wissen, neuen Kontakten und einem stärkeren Bewusstsein für die Herausforderungen und Chancen, die in den kommenden Jahren auf unseren Berufsstand zukommen, in die Schweiz zurück. Die Frage, die ich offen in den Raum stellen möchte, lautet: Wer sind wir heute, und wer wollen wir in Zukunft sein?
Kontakt
Matteo Gianinazzi
Dipl. Experte Anästhesiepflege NDS HF
Studiengangsleiter Anästhesiepflege NDS HF, Ospedale Regionale di Lugano
Mitglied der Kommission SIGA-FSIA Education, IFNA-Delegierter